Editorial 2016/17
Liebe Freundinnen und Freunde der KGT Liebe Kunstinteressierte

«Theater wird erst wirklich, wenn das Publikum innerlich mitspielt.» Hermann Bahr

Dieses Zitat von Herrmann Bahr, seines Zeichens österreichischer Roman- und Bühnenautor, zeigt in einem Satz auf, um was es beim Theater oder bei anderen Kulturveranstaltungen geht. Das Publikum, das heisst Sie alle, die diese Zeilen lesen, bildet stets eine der wichtigsten Komponenten beim Gelingen einer Aufführung, einer Vorlesung oder einer Veranstaltung. Denn wenn das Publikum eben nicht innerlich mitspielt, mitdenkt oder mitschaut, merken dies die Darstellenden oder Vortragenden auf der Bühne sofort.

Wir von der KGT erhalten von Seiten der Gasttruppen viele sehr positive Rückmeldungen. Das Thuner Publikum sei sehr fachkundig, kritisch und begeisterungsfähig und ‹spiele innerlich wirklich mit›. Das freut uns sehr, zeigt es doch, dass wir mit der variantenreichen Stückwahl im Theater, den interessanten Vorträgen und der schönen Kulturreise den Geschmack des Publikums treffen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ‹innerlich spielintensive› Zeit an unseren zahlreichen Veranstaltungen. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Sandra Stettler-Pauchard
Präsidentin

 

«Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» Johann Wolfgang Goethe
Faust I, Vorspiel auf dem Theater

Lassen wir diese einfachen, aber überzeugenden Worte eines grossen Dichters der deutschen Literatur das Motto über unserem Angebot für die kommende Spielzeit sein! Wir werden uns wiederum bemühen, Ihnen mit vielerlei Leckerbissen 14 Theaterabende schmackhaft zu machen, und hoffen, dass Sie wohlgenährt und zufrieden unsere Spielstätte verlassen – nichts weiter als das! Verändert hat sich von unserer Seite her nichts; hier das Wichtigste in Kürze:

  • Sie können Ihre Tickets für die ganze Saison online bestellen unter: www.starticket.ch (Link auf unserer Homepage) oder telefonisch unter 079 737 60 14 reservieren lassen.
  • Für Hörapparate-Träger gibt es auf den Galerien Hörschlaufen.
  • Das Wahlabo wird es auch künftig geben, ebenso Vergünstigungen für Werber von neuen Abonennten.
  • Bestehende Abonnemente erneuern sich weiterhin automatisch für die nächste Spielzeit, wenn sie nicht bis zum 15. Juni gekündigt werden. Nach diesem Datum sind keine Änderungen und Kündigungen mehr möglich und wir werden auch nicht mehr telefonisch nachhaken.
  • Neuabonnenten: Lassen Sie sich durch Frau Marion Burger beraten – insbesondere auch bei Hörproblemen – und sichern Sie sich vor Saisonbeginn Ihren Wunschplatz.
  • Unsere Einführungen finden je nach Möglichkeit der Gasttruppen jeweils um 18.45 Uhr statt.

Unsere Aufführung im freien Verkauf spricht dieses Jahr jung und alt an: Brodas Bros ist eine Musik- und Breakdance-Show aus Kata lonien. ‹Hip Hop und zeitgenössischer Tanz verbinden sich zu einem ungestümen und dynamischen Ganzen, das die Zuschauer körper lich mitreisst› (El País, Barcelona, 06.03.2015). Entdecken Sie mit uns, wie jung Ihr Körper geblieben ist!

Das Angebot im Musiktheater war so verlockend, dass wir beschlossen, unsere Opernfans zu beschenken, indem das Musikabonnement diesmal vier Opern umfasst; dafür enthält das Schauspielabonnement neben Stücken auch ein Musical und eine weitere Produktion mit  Musik! Den Auftakt macht der selten gezeigte Schauspieldirektor, eine Komödie mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Eine Co-Produktion des Theaters Kanton Zürich mit dem Opernhaus Zürich macht es möglich! Als nächstes folgt Puccinis Madame Butterfly; mit dieser Oper realisiert die Compagnia d’Opera Italiana di Milano ihre letzte Neuinszenierung. Das Besondere daran ist, dass alle japanischen Partien mit asiatischen Sängerinnen und Sängern besetzt sind! Das Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) ist wiederum mit zwei Opern bei uns zu Gast: Gaetano Donizettis Don Pasquale wird die Freunde der italienischen Oper beglücken und Georges Bizets Les Pêcheurs de Perles ist eine Perle für die Kennerinnen der französischen Oper!

Im Schauspiel werfen wir mit Der Ghetto Swinger einen Blick in das Leben des Jazzmusikers Coco Schumann; und den Abschluss der Spielzeit wird das Musical Höchste Zeit bilden, die Fortsetzung von Heisse Zeiten aus unserer vorletzten Saison. Als Klassiker haben wir für Sie Shakespeares Hamlet und Lessings Nathan der Weise eingekauft. Die Päpstin ist Trägerin des ersten Inthega Preises 2014; Eric Assous Unsere Frauen, 2013 in Paris uraufgeführt, ist eine Hommage an die Frauen; Brennende Geduld folgt auf eine hinreissende Art der Vorlage zum bekannten Film Il Postino; in Joanna Murray-Smiths Zorn holt eine dunkle Vergangenheit eine moderne Familie ein; und in Hans Falladas Jeder stirbt für sich allein werden Sie liebe alte Bekannte auf unserer Bühne erleben.

Wir wünschen Ihnen und uns allen viele lange nachklingende Theater- und Musikabende!
Für die Theaterkommission der Kunstgesellschaft

Dorothee Del Carlo, Beatrice Grundbacher und Svend Peternell

 

Vorträge

Kunst und Politik

«Kunst ist nie politisch» – «Kunst ist immer politisch» – «Kunst kann nie politisch sein» – «Kunst darf nie politisch sein» – «Kunst muss immer politisch sein».

So unterschiedlich wird das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft gesehen. Und nicht weniger breit fallen die Antworten der Künstler und Künstlerinnen mit ihren Werken aus. Thomas Hirschhorn zum Beispiel versteht sich nach eigener Aussage als ein Künstler, der ‹Kunst politisch macht›. Schriftsteller und Schriftstellerinnen wollen ihre Werke auch als Antwort auf aktuelle politische Fragen verstanden sehen, sie fordern eine Einmischung in die Tagesdiskussion und sehen Kunst dabei als emanzipatorischen Akt und auch als eine Form des Widerstandes. Andere schaffen eine Kunst, die explizit ‹nutzlos›, dem Spielerischen, rein Ästhetischen verpflichtet ist. Im kompletten Gegensatz dazu steht die Vereinnahmung von Kunst durch die Politik. Während des Nationalsozialismus wird Kunst von der Macht benutzt, zur ‹Staatskunst› erhoben oder als ‹entartet› diffamiert. Als ‹Beute› dient sie der Herrschaft.

Die diesjährige Vortragsreihe stellt einen Ausschnitt aus dieser breiten Palette vor, dargeboten von einem Historiker, einem Kunsthistoriker und Schriftstellerinnen. In einem Podiumsgespräch, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Forum Gesellschaft und Politik Thun, diskutieren Politikerinnen und Politiker sowie ein Künstler über staatliche Kulturförderung. Als Abschluss der Vortragsreihe präsentieren Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Thun ihre besonders gut gelungenen Matura-Arbeiten aus dem musischen Bereich.

Für das Ressort Vorträge der Kunstgesellschaft Thun
Barbara Huber und Peter Hilfiker